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Knapp 30 Jahre nach dem Beginn der Reformpolitik zeigen sich immer mehr Erfolge von Chinas langem Marsch in die Markt- und die Weltwirtschaft. Mit einem durchschnittlichen Wirtschaftswachstum von 10 % hat sich die Volksrepublik unter den größten Wirtschaftsmächten etabliert. Auch beim Außenhandel hat sie sich vor Japan weltweit auf Platz 3 vorgearbeitet. Mit der in den WTO-Verhandlungen festgeschriebenen schrittweisen Öffnung des Bankensektors ab 2007 dürften sich weitere Effizienzgewinne für die gesamte Volkswirtschaft ergeben. Auf ihrem ehrgeizigen politischen und wirtschaftlichen Vormarsch wird die Pekinger Führung aber auch in Zukunft an einer "kontrollierten Liberalisierungsagenda" festhalten.
Auf immer mehr Gütermärkten spielt der so genannte "China-Faktor" heutzutage eine entscheidende Rolle: Einerseits droht die Volksrepublik China (VR China) mit ihrer auf den Weltmarkt ausgerichteten Massenproduktion andere Anbieter ins Abseits zu stellen. Andererseits lässt sich mit der potenziellen Kaufkraft auf dem größten Binnenmarkt der Welt leicht ein Boom für viele Konsumgüter und Dienstleistungen prognostizieren. Gleichzeitig ist die erwartete Nachfrage nach fast allen Rohstoffen riesig. So hat der chinesische Energiehunger schon maßgeblich zur Verdopplung der Rohölpreise seit dem Frühjahr 2004 beigetragen. Die Internationale Energieagentur schätzt, dass China in den letzten beiden Jahren für ein Drittel des Zuwachses bei der globalen Ölnachfrage verantwortlich war. Ähnliches gilt für die Metallmärkte, wobei die Weltbank sogar die Hälfte der Zusatznachfrage auf China zurückführt. Trotzdem sollte man vorsichtig sein, um sich von den - zumeist aus einer Bevölkerungszahl von 1,3 Milliarden und den hohen Wachstumsraten des letzten Vierteljahrhunderts abgeleiteten - "Nonstop Boom-Szenarien" nicht ganz erschlagen zu lassen.
Chinas Reformpolitik begann offiziell 1978, als der damalige Parteichef Deng Xiaoping forderte, die Modernisierung voranzutreiben. Angesichts knapper Ressourcen erhielt der marktwirtschaftliche Effizienzgedanke Vorrang vor dem kommunistischen Ideal der Gleichverteilung, und dieser Paradigmenwechsel leitete den rasanten Aufstieg der aussichtsreicheren Küstenprovinzen ein. Bei aller Liberalisierung ist der Führungsanspruch der Kommunistischen Partei unverändert geblieben: Weiterhin gilt, dass wirtschaftliche und politische Reformen die Vorherrschaft der Partei nicht gefährden dürfen. Denn der Alptraum jeder chinesischen Regierung ist es, einen ähnlichen Zerfall zu erleiden wie die Sowjetunion im Zuge der Perestroika.
China schon zweitgrößte Wirtschaftsmacht hinter den USA
Ausgehend von einem äußerst niedrigen Niveau bescherten die Wirtschaftsreformen der Volksrepublik in den letzten 27 Jahren ein durchschnittliches Wachstum von rd. 10 %. Zudem gab es durch die große Revision des Bruttoinlandsproduktes (BIP) im Jahr 2005 einen deutlichen Niveausprung. Das statistisch ausgewiesene BIP betrug 2005 umgerechnet schon 2225 Mrd. $ und hat sich somit seit 1998 verdoppelt. Damit hat sich das ostasiatische Land mit seinen 21 % der Weltbevölkerung unter die ganz großen Wirtschaftsmächte vorgearbeitet: Denn in der aktuellen Rangliste des Internationalen Währungsfonds (IWF) belegt China mit knapp einem Sechstel des globalen BIP schon Platz 2 hinter den USA (vgl. Tab. 1). Die 12 EWU-Länder zusammen kommen für 2005 nur auf 14,8 %. Die gleiche Platzierung nimmt China auch bei der Weltbank ein. Das IWF-Ranking ist für internationale Vergleiche besonders geeignet, da das nationale BIP mit dem Wechselkurs auf der Basis von Kaufkraftparitäten umgerechnet wird. Hätte diese große Wachstumsdynamik Bestand - und damit der beachtliche Wachstumsvorsprung von 6 Prozentpunkten gegenüber den USA im letzten Jahrzehnt, würde China in wenigen Dekaden zur größten Wirtschaftsmacht der Erde avancieren. Das wäre auch gar nicht so verwunderlich, da Chinas Bevölkerung etwa 4,5-mal so groß wie die der USA ist. Doch selbst zu diesem unterschiedlich prognostizierten und noch recht fernen Zeitpunkt läge das chinesische Pro-Kopf-Einkommen auch nur bei einem Viertel des US-Niveaus.
Die hohe Wirtschaftsdynamik setzt sich auch im aktuellen Jahr fort: In den ersten drei Quartalen legte das BIP um fast 11 % gegenüber dem Vorjahr zu - damit zeichnet sich für das Gesamtjahr 2006 erneut ein Wachstum von über 10 % ab. Insofern haben die wirtschaftspolitischen Bremsmanöver der letzten zwei Jahre sowohl für einzelne Branchen - wie die Kreditrationierung bei Bau, Stahl und Zement - als auch die breiter angelegten Zinserhöhungen bislang nicht den angestrebten Erfolg gehabt. Von der vielfach befürchteten Überhitzung kann aber zumindest von der Preisseite her keine Rede sein, zumal die offizielle Inflationsrate von knapp 2 % in 2005 - und soweit absehbar auch 2006 - für ein Schwellenland recht niedrig ist. 2007 dürfte sich das BIP-Wachstum nicht zuletzt durch die leichte Konjunkturabschwächung beim wichtigsten Handelspartner USA zwar etwas verlangsamen: Gleichwohl würde China mit prognostizierten 9 % weiter die Wachstumslokomotive der Weltwirtschaft bleiben. Das riesige Reich der Mitte bleibt nämlich auch in Zukunft auf ein hohes Wirtschaftswachstum angewiesen, um die Armut und Arbeitslosigkeit in den küstenfernen und ländlichen Regionen bekämpfen zu können und somit die Gefahr sozialer Konflikte möglichst gering zu halten.
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Tabelle 1: Die 10 größten Volkswirtschaften 2005
Quelle: IMF, World Economic Outlook, September 2006 |
China überholt Japan als drittgrößte Exportnation
Die Erfolge von Chinas langem Marsch in die Markt- und damit verbunden in die Weltwirtschaft zeigen sich besonders eindrucksvoll beim Welthandel - mit dem sehr wichtigen WTO-Beitritt Ende 2001 als Meilenstein. Laut der neuesten Genfer Statistik war die VR China 2005 mit einem Exportzuwachs von 28 % gg. Vorjahr weiterhin in der Spitzengruppe vertreten. Die gleichzeitige Importzunahme um 18 % zeigt, dass die Handelsliberalisierung in China keine Einbahnstrasse ist. Trotzdem wird vor allem von Seiten der USA mit ihrem zweistelligen Handels- und Leistungsbilanzdefizit der bilaterale Negativsaldo mit China kritisiert. Immerhin dürfte der chinesische Leistungsbilanzüberschuss 2006 mit 170 Mrd. $ bzw. rund 7 % des BIP langsam eine "bedenkliche" Größenordnung erreichen, die Peking nicht dauerhaft ignorieren kann.
In der viel beachteten WTO-Länderrangliste der Warenexporteure hat die Volksrepublik mit einem Anteil von 7,3 % seit 2004 Japan überholt und sich damit den dritten Rang hinter Deutschland und den USA gesichert (vgl. Tab. 2). Bei den Warenimporten belegt es mit einem Anteil von 6,1 % ebenfalls Platz 3, und dies sogar schon seit 2003. Da die Wachstumsraten beim Außenhandel noch höher als beim BIP sind, dürfte sich die VR China in der WTO-Exportrangliste auch noch früher auf die Spitzenposition vorarbeiten können.
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Tabelle 2: TOP 10 der Warenexporteure 2005
Quelle: WTO World Trade 2005 (Press release 437) |
Blickt man auf die kommerziellen Dienstleistungsexporte, so steht China in der WTO-Tabelle für 2005 mit Platz 8 nicht ganz vorne. Zum einen ist das fernöstliche Land auf vielen Gebieten nicht so wettbewerbsfähig, was auch das strukturelle Defizit in seiner Dienstleistungsbilanz unterstreicht. Zum anderen steht die Liberalisierung in vielen Sektoren noch am Anfang: China hatte sich während der zähen WTO-Beitrittsverhandlungen gerade bei den "commercial services" längere Übergangsfristen einräumen lassen. So muss der Bankensektor erst ab 2007 dem ausländischen Wettbewerb geöffnet werden. Immerhin hat China nun auch die letzte Tür zum Bankenmarkt aufgestoßen und öffnet im Dezember den inländischen Privatkundenmarkt erstmals für ausländische Banken. Die Bankenaufsichtsbehörde macht den Finanzinstituten deshalb immer mehr Druck, ihre Not leidenden Kredite zu bereinigen und die Unternehmensführung zu verbessern. Ferner gelten weite Teile des Bankensektors noch als unterkapitalisiert. Dabei setzt man zunehmend auf ausländisches Know-how und entsprechende Mittelzuflüsse. Während ausländische Beteiligungen bislang begrenzt sind, sollen nun auch Privatisierungen ohne staatliche Mehrheitsbeteiligung erprobt werden. Ausländisches Interesse an den großen Staatsbanken wie an lukrativen Lokalbanken in den Küstenprovinzen ist reichlich vorhanden. Dies zeigen auch die diesjährigen Teilprivatisierungen großer Institute. Letztes Beispiel war der erfolgreiche Börsengang der "Industrial & Commercial Bank of China" (ICBC) im Oktober. Die weitere Öffnung des Finanzsektors dürfte auch den ausländischen Direktinvestitionen in China ab 2007 neuen Schub bringen.
In der Direktinvestitionsstatistik der OECD rangierte China mit Zuflüssen von rund 150 Mrd. Dollar im Dreijahreszeitraum 2002-2004 gleich hinter den USA. Für 2005 schätzt die OECD sogar einen Rekordwert von 72 Mrd. Dollar. Anders als bei anderen Schwellenländern fällt der stetige Zustrom auf, der für anhaltend günstige Investitionsbedingungen und dauerhaftes Interesse an diesem Standort spricht. Allerdings weist die chinesische Zentralbank darauf hin, dass ein beträchtlicher Teil des Zustroms de facto aus inländischen Quellen stammt. Während früher vor allem wegen billiger Produktionsstätten in Entwicklungsländern investiert wurde, haben sich die Investitionsmotive laut OECD in letzter Zeit verbreitert und strategische Überlegungen an Bedeutung gewonnen: China hat ein großes Potenzial an gut ausgebildeten Arbeitnehmern in den Bereichen Forschung und Entwicklung, was angesichts der fortschreitenden Globalisierung der Wissensgesellschaft weitere ausländische Investoren anziehen dürfte. Die Auslandsinvestitionen Chinas betrugen von 2002 bis 2004 etwa 4 Mrd. Dollar und stiegen 2005 auf 7 Mrd. Dollar - trotzdem nur ein Bruchteil der Kapitalzuflüsse. Die OECD vermutet aber, dass die effektiven Abflüsse höher sind. Man denke zum Beispiel an die Aufsehen erregende Übernahme eines US-PC-Herstellers und an die strategischen Beteiligungen, die die staatliche Ölgesellschaft CNOC an ausländischen Ölfeldern erworben hat. Hier sei darin erinnert, das China schon seit Mitte der 90er Jahre zum Netto-Ölimporteur geworden ist: Der Selbstversorgungsgrad ist bis 2005 auf 56 % gesunken. Das erklärt auch den chinesisch-japanischen Wettlauf um sibirisches Öl und den Trassenverlauf neuer Pipelines in Fernost.
Starke deutsch-chinesische Außenhandelsdynamik
Auch aus deutscher Sicht ist die bilaterale Verflechtung der beiden großen Volkswirtschaften - trotz der großen geographischen Entfernung - mit einem Handelsvolumen von zuletzt fast 60 Mrd. € immer größer geworden. Verglichen mit dem Jahr 2000 stellt das mehr als eine Verdoppelung dar, die auf einer großen Dynamik bei Ex- und Importen basiert (vgl. Tab. 3). China hat dabei seit 2002 Japan als wichtigsten deutschen Handelspartner in Asien abgelöst, wobei der bilaterale Warenhandel stark defizitär ist. 2005 verzeichnete Deutschland bei Exporten von 21 Mrd. € und Importen von 38 Mrd. € zum zweiten Mal hintereinander ein zweistelliges Minus. Mit 17,3 Mrd. € war 2005 der größte deutsche Fehlbetrag vor Irland (-10,5 Mrd. €) und Japan (-8,5 Mrd. €) zu verzeichnen. Damit gehört die VR China zu den wenigen Ländern, mit denen die Bundesrepublik trotz ihres riesigen Exportüberschusses sogar ein Handelsbilanzdefizit aufweist. Im 1. Halbjahr 2006 hat sich dieser Trend fortgesetzt, das Defizit war mit 9,3 Mrd. € um fast 2 Mrd. größer als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. In unserer Importrangliste stand die VR China 2005 schon auf Platz 4 - hinter Frankreich, den Niederlanden und den USA, aber schon knapp vor Großbritannien. Bei den deutschen Exporten findet man China - mit Platz 11 knapp hinter Polen - (noch) nicht unter den TOP 10.
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Tabelle 3: Deutscher Außenhandel mit der VR China (in Mrd. €)
Quelle: Deutsche Bundesbank, Zahlungsbilanzstatistik Juni 2006 |
Blickt man zur Ergänzung noch kurz auf die bilaterale Verflechtung mittels Direktinvestitionen (DI), so zeigt die entsprechende Bestandsstatistik der deutschen Bundesbank in den Jahren 2001 bis 2004 einen Anstieg, der aber nicht so stark wie beim Außenhandel ausfällt. Anders als bei den Warenexporten liegt hier Deutschland vorne. Der konsolidierte Bestand an deutschen DI in der VR China belief sich Ende 2004 auf 8,4 Mrd. €. Er lag damit nur noch knapp hinter den deutschen DI in Japan, dürfte diese aber mittlerweile überholt haben. Nach Branchen aufgeschlüsselt dominierte das Verarbeitende Gewerbe, allen voran die Kfz-Industrie (2,7 Mrd. €) und die Chemische Industrie (1,4 Mrd. €), während der Maschinenbau (700 Mio. €) und die Elektroindustrie (600 Mio. €) unter der Milliarden-Schwelle blieben. Auf der Gegenseite sind die chinesischen DI in Deutschland noch nicht so ausgeprägt. Sie werden derzeit in der jährlich im April erscheinenden "Kapitalverflechtung mit dem Ausland" der Deutschen Bundesbank nicht extra ausgewiesen. Sie müssten aber unter 1 Mrd. € liegen, denn Ende 2004 entfielen gut zwei Drittel der gesamten asiatischen DI in Deutschland in Höhe von 15,2 Mrd. € allein auf Japan. Und unter den verbleibenden 4,9 Mrd. € dürften die vier asiatischen Tigerländer Hongkong, Singapur, Südkorea und Taiwan, die schon vor China auf den Globalisierungszug aufgestiegen sind, vorne liegen. Die Bundesbank-DI-Statistik legt insgesamt den Schluss nahe, dass sich beide Länder bei Ihren Direktinvestitionen bislang noch stärker auf ihre benachbarten Regionen (Mittel- und Osteuropa bzw. Ost- und Südostasien) konzentrieren.
Kontrollierte Yuan-Aufwertung seit Juli 2005
Mit der immer stärkeren Einbindung in die Weltwirtschaft wird das "Chinawatching" konsequenterweise auch an den Finanzmärkten immer bedeutender. Nachdem sich der chinesische Yuan seit der Asienkrise als "Fels in der Brandung" gezeigt hatte, war die für viele überraschende Änderung des Wechselkursregimes Ende Juli 2005 eine wichtige Etappe bei der Liberalisierung der chinesischen Kapitalmärkte. Der Yuan, seit 1995 mit einem festen Kurs von 8,28 an den US-Dollar gebunden, wurde zunächst um moderate 2 % auf 8,11 Yuan/Dollar aufgewertet. Im Rahmen eines kontrollierten "managed floating" orientiert er sich seitdem an einem Währungskorb, in dem neben dem US-Dollar auch der Euro, der Yen und Währungen anderer asiatischer Handelspartner enthalten sind. Die genaue Korbgewichtung ist noch nicht bekannt. Im Juni 2006 wurde erstmals die 8 Yuan/Dollar-Schwelle unterschritten, Ende Oktober stand der Wechselkurs bei 7,87 Yuan/Dollar. Damit hat sich der Yuan in den letzten 16 Monaten um insgesamt 5 % aufgewertet, was die viel kritisierten chinesischen Handelsbilanzüberschüsse noch keineswegs dämpfen dürfte. Deshalb wird mittlerweile auch in Peking über ein schnelleres Aufwertungstempo diskutiert.
Trotz einiger Liberalisierungsschritte ist der Yuan aber noch längst keine freie und voll konvertible Währung. Die umfangreichen Kapitalverkehrskontrollen, die vor allem die Portfolioinvestitionen betreffen, dürften zwar weiter nur schrittweise gelockert werden. Gleichwohl wird die skizzierte Öffnung des Finanzsektors auch die Verwendungsmöglichkeiten des Yuan bei internationalen Transaktionen stärken. Der Finanzriese China wird darüber hinaus noch eine wachsende Rolle an den internationalen Finanzmärkten spielen; nicht zuletzt weil er noch vor Japan (zuletzt 886 Mrd. $) weltweit die höchsten Währungsreserven aufweist. Ende Oktober wurde erstmals die markante Billionenschwelle überschritten. Interessanterweise warnte zuletzt sogar die Zentralbank selbst vor zu hohen Dollar-Reserven und signalisierte eine stärkere Diversifizierung. Dabei dürfte insbesondere der Euro von entsprechenden Umschichtungen profitieren, weshalb die Devisenmärkte schon eifrig über den Zeitplan der Neuausrichtung spekulieren.
Institutioneller Vormarsch Chinas geht weiter
Eine andere "Aufwertung" Chinas zeichnet sich auf institutioneller Ebene ab. Nach Pekings WTO-Beitritt diskutiert auch die OECD intensiver über eine Aufnahme der Volksrepublik - erste Gutachten zur Prüfung des Industrielandstatus sind schon in Arbeit. Ferner befürwortet der Pariser Club der offiziellen Gläubiger eine Annäherung, denn aufgrund seines Devisenreichtums ist China ein wichtiger Kreditgeber für viele Entwicklungsländer. Dazu zählen bezeichnenderweise rohstoffreiche, aber oft auch problematische Schuldnerstaaten. Als Club-Mitglied könnte Peking dann besser in das internationale Schuldenmanagement eingebunden werden. Auch der alljährliche Weltwirtschaftsgipfel der G8-Staaten wird der "chinesischen Realität" stärker als mit der bisherigen Gastrolle Rechnung tragen müssen: Beim Vergleich von Russland und China sprechen nicht wenige Faktoren für China. Auch auf dem jüngsten APEC-Gipfel im vietnamesischen Hanoi zeigte sich, dass China immer mehr zum mächtigsten Gegenspieler der USA avanciert. Last but not least unterstreichen plakative Großereignisse wie die Sommerolympiade 2008 in Peking und die EXPO 2010 in Shanghai Chinas neu errungene Leistungsfähigkeit. Auf ihrem ehrgeizigen politischen und wirtschaftlichen Vormarsch kann die Pekinger Führung dank ihrer im wahrsten Sinne des Wortes "kontrollierten Liberalisierungsagenda" somit zunehmend wichtige Erfolge vorweisen.
© Akademie für Welthandel, November 2006